Zynga: Hohe Investitionen fressen Umsatzrekorde auf

Lars 16. Februar 2012 0

Am 15. Dezember 2011 ging der Facebook-Spielentwickler Zynga („Cityville“, „Farmville“) an die Börse. Seit Google war das der größte Internet-Börsengang eines US-Unternehmens. Insgesamt brachte Zynga 100 Millionen Aktien zu einem Ausgabekurs von 10 Dollar an die Börse. Doch jetzt bekam der Browserspiel-Gigant die volle Härte der Börse zu spüren. Denn zum ersten Mal seit dem umjubelten, aber holprig verlaufenden Börsenstart, legte der Onlinespiele-Hersteller diese Woche seine Quartalszahlen vor. Und diese dürften die Anleger nicht freuen, denn mit dem vierten Quartal des Vorjahres erwirtschaftete Zynga einen Riesenverlust von 435 Millionen Dollar.

Die Reaktionen der Anleger ließen nicht lange auf sich warten. So erlebte die Aktie an der Nasdaq seit Bekanntwerden der Zahlen für das vierte Quartal am Dienstag Nachmittag bis zum gestrigen Börsenschluss eine wahre Talfahrt um rund 17 Prozent. Trotz hoher Umsätze galt Zynga damit zu den Hauptverlierern an der Technologiebörse.

Die hohen Verluste sind hauptsächlich den mit dem Börsengang einhergehenden Einmalausgaben geschuldet. So umfassten die aktienbasierten Boni an Management und Mitarbeiter einen stolzen Betrag in Höhe von 510 Millionen Dollar. Würde man diese hohe Ausgabe mit dem Verlust verrechnen, käme Zynga auf einen knappen Gewinn von 75 Millionen US-Dollar. Dennoch sind die Anleger und Analysten von solch immens hohen Verlustzahlen beunruhigt. Denn um Investitionen wird Zynga auch in Zukunft nicht herumkommen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Der Social-Games-Platzhirsch Zynga wird daher auch in Zukunft Geld in die Hand nehmen müssen, um die Erfolgsspur zu halten. Und die rasant steigenden Umsatzzahlen der vergangenen Jahre sprechen für sich. Seit 2008 stiegen die Umsätze von rund 19 Millionen auf 1,14 Milliarden US-Dollar. Und alleine innerhalb der letzten beiden Jahre war ein Umsatzanstieg von rund 91 Prozent zu beobachten. Während sich die Analysten bessere Gewinnzahlen im vierten Quartal gewünscht hätten, so wurden ihre Erwartungen an die Umsatzentwicklung im Q4 übertroffen. Statt angenommener 301 Millionen Dollar setzte Zynga mit  seinen Spielen 311,2 Millionen Dollar um.

Durchschnittlich nutzen 240 Millionen Spieler monatlich erfolgreiche Zynga-Simulationen, wie „Cityville“, „Farmville“ und „Castleville“. Mit einem Marktanteil von 38,1 Prozent ist Zynga die unangefochtene Nummer eins der Unternehmen im Social Games Markt, gefolgt von EA (Playfish) mit 6,5 Prozent und Disney (Playdom) mit 5,5 Prozent.

Zynga vierdient sein Geld vor allem mit dem Verkauf Virtueller Güter in Browsergames, wie Häusern, Traktoren und Pokerships. Allerdings sind nur 2,9 Millionen Zynga-Spieler bereit, reales Geld für virtuelle Güter zu erwerben. Bemühungen, den den Anteil der zahlenden Kunden zu erhöhen blieben bislang erfolglos. Allerdings kalkuliert der Spieleentwickler auch ein, dass im ersten Halbjahr kaum Käufe getätigt werden. Laut Zynga-Manager John Schappert sind die Spiele so entwickelt, dass sie sich erst über die gesamte Lebenszeit amortisierten.

Doch Analysten und Anleger interessieren sind nicht für die Konzepte der Spiele, sondern für die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells. Zwar schaffte Zynga es im Jahr 2010 aus der Verlustzone, doch ist es zweifelhaft, ob der Spielehersteller auch in Zukunft seinen hohen Spielerzulauf halten und den Anteil zahlender Nutzer erhöhen kann.

Zwar rechnet Zynga für dieses Geschäftsjahr mit einem Umsatz von 1,35 bis 1,45 Milliarden Dollar, allerdings ist die hohe des Gewinns fraglich. Denn damit das Geschäftsmodell von Zynga aufgeht, müssen nicht nur mehr neue Spieler angeworben werden, denn die Zynga-Spiele sind schließlich kostenlos. Viel entscheidender ist es, die Spieler auch langfristig zu halten und sie zu zahlenden Kunden zu machen. Im Anbetracht der wachsenden Konkurrenz auf dem Browsergame-Markt kein leichtes Unterfangen. Der Plan kann nur aufgehen, wenn kontinuierlich in Neuentwicklungen investiert wird.

Online- und Social Games müssen Spaß machen, sowie sozial und leicht zugänglich sein. Je besser diese Faktoren erfüllt sind, umso höher steigt die Wahrscheinlichkeit, die aktiven Spieler bei der Stange zu halten und irgendwann zu Zahlern zu machen. Doch die Entwicklungsausgaben werden zunehmend teurer. Betrugen sie im Vorjahr noch 51,5 Millionen Dollar, so schnellten sie jetzt auf 444,7 Millionen hoch. Und nicht nur die Spielentwicklung, auch die Ausgaben für Marketing und Vertrieb verdreifachten sich auf 112,2 Millionen Dollar. Der massive Personalzuwachs von 92 Prozent im Vergleich zum Vorjahr schlägt ebenfalls zu Buche. Dieser sei aber wichtig gewesen, um die Expertise in der Spieleentwicklung zu verbessern. Mittlerweile beschäftigt Zynga knapp 3000 Mitarbeiter.

Um aufgrund der steigenden Investitionsausgaben rentabel zu bleiben, versucht Zynga zudem, die Abhängigkeit von Facebook zu verringern. Noch immer werden 97 Prozent des Umsatzes über das soziale Netzwerk generiert. Sechs der Top 10 Facebook-Spiele sind aus dem Hause Zynga. Die Abhängigkeit von Facebook ist dabei gleichzeitig Fluch und Segen. Auf der einen Seite hat der für das zweite Quartal 2012 angekündigte Börsengang von Facebook auch der Zynga-Aktie einen ordentlichen Auftrieb gegeben. Auf der anderen Seite verbleiben 30 Prozent der Einnahmen bei dem Social Network, welches zudem auch noch die Bedingungen stellt.

Erste Schritte weg von der Abhängigkeit hat Zynga 2011 bereits getan, so waren von den 12 neu eingeführten Games nur vier für Internetplattformen wie Facebook. Ein Großteil der Spiele war für mobile Betriebssysteme, wie Android (Google) oder iOS (Apple) entwickelt. Und durch eine angekündigte Lizenzvereinbarung mit dem Spielehersteller Hasbro sollen einige Online Games auch als Brettspiele erscheinen.

Man darf gespannt sein, ob Zynga die Erwartungen der Anleger im weiteren Verlauf dieses Jahres erfüllen können wird. Besonders spannend verspricht der Börsengang von Facebook zu werden, welcher sich ebenfalls positiv auf Zyngas Börsenkurs auswirken dürfte. Trotz der schwachen Quartalszahlen versprach Firmengründer Mark Pincus versprach für dieses Jahr eine „starke Pipeline“, welche durchaus optimistisch stimmt.

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