EA verklagt Zynga: War alles nur geklaut?

Alicia 6. August 2012 0

Electronic ArtsEs ist die Schlacht der Online-Spielegiganten: Normalerweise kennt man Patentprozesse hauptsächlich aus der Mobilfunkbranche, doch auch auf dem internationalen Spielemarkt wird der Konkurrenzdruck härter. Jetzt hat Branchenriese Electronic Arts (EA) den ohnehin schon schwächelnden Onlinespiele-Spezialisten Zynga verklagt.

Der Vorwurf: Das neue Zynga-Spiel „The Ville“ sei eine Kopie der Facebook-Version des EA-Klassikers „Die Sims“. Beide Spiele haben gemeinsam, dass der Spieler in einer virtuellen Welt unterwegs ist, die er im Spielverlauf ausbaut, was jedoch in nahezu allen Online-Games der Fall ist. Electronic Arts behauptet allerdings, dass Konkurrent Zynga diverse urheberrechtlich geschützte Elemente, wie Design, Animation, Bewegungen und Handlung seines Spiels „The Sims Social“ kopiere. Zyngas Antwort auf diesen Angriff: Electronic Arts sei nicht besser sei und ahme ebenfalls Spiele nach.

Während beide Parteien mit dem Finger aufeinander zeigen, stellt sich die Frage: Wie viel „Sims“ steckt denn tatsächlich in „The Ville“? Denn mit der Klage EAs hat Zynga definitiv ein großes Problem mehr am Hals. Erstmals wird die große Rivalität in der Spielebranche im Gerichtssaal ausgefochten.

Fakt ist: Junge Spezialisten für Online- oder Smartphone-Games bringen klassische großen Spieleanbieter, wie Electronic Arts, immer mehr in Bedrängnis. Der Kampf um die Spieler wird mit immer günstigeren bis sogar kostenlosen Spielen ausgefochten, welche die Gewinne großer Konzerne schmälern. Um die Spielergemeinde nicht an die Konkurrenz zu verlieren, sind Spiele-Riesen, wie EA gefordert mit eigenen Angeboten am Markt präsent zu sein. So hat Electronic Arts im August 2011 seinen PC-Klassiker „Die Sims“ auch zu Facebook gebracht.

Mit bekannten Social Games, wie der Bauernhof-Simulation „FarmVille“ und ähnlichen Varianten, wie „CityVille“ oder „CastleVille“ ist Zynga der größte Entwickler von Facebook-Spielen und härtester Konkurrent von EA. Im Juni hat die Firma aus San Francisco die virtuelle Stadt „The Ville“ herausgebracht, welche kostenlos gespielt werden kann. Geld verdient Zynga vor allem durch den Verlauf sogenannter „virtueller Güter“, wie Traktoren oder Möbeln, die dem Spieler einen schnelleren Spielfortschritt ermöglichen. Doch um Spieler irgendwann auch zu zahlenden Kunden zu machen, muss man sie langfristig an das Spiel fesseln und Anreize schaffen, weshalb sich eine solche Investition lohnt.

Zwar war Zynga mit diesem Geschäftsmodell in den vergangenen Jahren durchaus erfolgreich, doch nach einigen glorreichen Sonnenstunden brauen sich in der letzten Zeit dickere Gewitterwolken über dem Unternehmen zusammen. Facebook bietet dem Online-Spieleentwickler natürlich eine riesige Plattform, die Zynga monatlich 274 Millionen Spieler sichert. Doch was bringen Millionen Spieler, wenn nur ein Bruchteil von ihnen auch Geld ausgibt und damit Umsatz generiert? Die Bereitschaft, für virtuelle Zusatzinhalte ins reale Portemonnaie zu greifen, schien in letzter Zeit jedenfalls zu sinken. Dabei sind Anbieter kostenloser Online-Games, die Millionen in der Entwicklung kosten, auf zahlende Spieler angewiesen.

Nachdem Zynga für das vergangene Quartal erneut einen Verlust vermelden und die Jahresprognose zusammenstrichen musste, sank der Wert der Aktie mit einem Rutsch um 40 Prozent auf nur noch 2,72 US-Dollar. Verärgerte Investoren, die beim Börsengang im Dezember noch satte 10 Dollar berappen mussten, reichten in den vergangenen Tagen mehrere Sammelklagen gegen Zynga ein.

Mit EAs Anklage erreicht die Klagewelle gegen Zynga noch mehr an Höhe. Doch Zynga ist ein dicker Fisch im Becken der Online-Spiele. Nach jüngsten Berechnungen von Marktforschern verfügt Electronic Arts mit nur gut 50 Millionen Spieler im Monat über deutlich weniger Nutzer als Zynga. Allein „SimCity Social“ kommt schon auf über 10 Millionen. Im erbitterten Kampf um Marktanteile, Spieler und Geld versucht Electronic Arts nun, Zynga ein stückweit zu verdrängen und die neuste Spieleauskopplung als billige Kopie des eigenen Erfolgshits zu verkaufen.

Doch neben der Frage, ob alles nur geklaut war, stellt sich nun auch die Frage: Wer hat hier eigentlich von wem geklaut? Denn Zynga-Manager Reggie Davis hielt Electronic Arts im Gegenzug vor, dass „SimCity Social“ starke Ähnlichkeiten mit Zyngas „CityVille“ aufweise. In einer E-Mail an die Finanznachrichtenagentur Bloomberg schrieb Davis, dass es eine Ironie sei, dass der Konzern ausgerechnet kurz nach dem Start dieses Spiels die Klage eingereicht habe.

Bleibt abzuwarten, wie der „Kampf der Giganten“ ausgeht…

Quelle: EA.com

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