Electronic Arts: Entwicklungskosten verschlingen Umsätze

Alicia 10. Mai 2012 3

Electronic ArtsComputerspiele-Gigant Electronic Arts (EA), der weltweit für hochwertige Blockbuster-Spielereihen, wie Die Sims, FIFA, Need for Speed oder Battlefield gefeiert wurde, erfährt jetzt an eigener Haut, wie teuer das milliardenschwere Geschäft mit Computerspielen ist.

So verheißt die pessimistische Prognose für 2012 rote Zahlen für den Blockbuster-Produzenten. Nach dem Onlinespiele-Hersteller Zynga droht nun auch Electronic Arts deftige Verluste in Millionenhöhe. So erwartet EA für das laufende Geschäftsjahr, welches am 1. April 2012 startete, einen herben Verlust von bis zu 100 Millionen US-Dollar.

Und das, der Blockbuster-Produzent im Geschäftsjahr mit Abschluss zum 31. März 2012 einen Gewinn in Höhe von 76 Millionen US-Dollar erwirtschaftete. Im Vergleich zum desaströsen Fiskaljahr 2010/2011, in dem man noch ein dickes Minus von 276 Millionen US-Dollar schrieb, konnte das vergangene Geschäftsjahr in der schwarzen Gewinnzone abgeschlossen werden. Parallel zum Gewinn wurde auch der Umsatz von 3,59 Mrd. Dollar auf 4,14 Milliarden gesteigert.

Nicht selbstverständlich, denn betrachtet man die ersten drei Quartale des abgelaufenen Geschäftsjahres, so drohte Electronic Arts ein dicke Minus. Bis Ende des dritten Quartals 2011/12 hatte EA einem enormen Verlust in Höhe von 324 Millionen US-Dollar zu verbuchen.

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Die Quartalsergebnisse von Electronic Arts aus den letzten Jahren

Mit einem Umsatz in Höhe von 1,368 Millionen US-Dollar und einem Gewinn von 400 Millionen im vierten Quartal konnte das Runder jedoch noch herumgerissen werden, sodass EA das Geschäftsjahr 2011/12 mit einem Gewinn von 76 Millionen US-Dollar abschloss.

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Die Umsätze von Electronic Arts in den Quartalen der letzten Jahre

Einen großen Beitrag zu diesem Ergebnis leistete EAs digitales Vertriebsgeschäft. Die Online-Vertriebsplattformen erwirtschafteten 1,2 Milliarden US-Dollar, was einen Anstieg um 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr darstellt. Das Videospiel FIFA 12 war eines der besten Standbeine des vergangenen Jahres. Digitale Downloads und Mikrotransaktionen für FIFA 12 machten im vergangenen Jahr bereits 108 Millionen Dollar aus.

EA-Chef John Riccitiello zeigte sich erfreut über das gute vierte Quartal und Finanzjahr und gewährt einen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr 2012/13:

„Wir sind stolz darauf, ein starkes Quartal und Finanzjahr berichten zu können, das von 1,2 Milliarden Digitalumsatz gekrönt wird [… ]Im nächsten Jahr werden wir uns von der Masse mit einem sehr unterschiedlichen Profil als die traditionellen Spielefirmen und Fähigkeiten, mit denen keiner unserer neuen digitalen mithalten kann, absetzen.“

Die Zahlen des Finanzberichts für das abgelaufene Geschäftsjahr beeindruckten und sorgten auch für Freude und Begeisterung bei den Anlegern. Doch die Freude währte nur kurz, denn die Prognose für das laufende Jahr fällt alles andere, als rosig aus. Trotz des starken Jahresabschlusses kündigte Electronic Arts für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2013 einen Verlust in einer Bandbreite zwischen 40 und 45 Cent pro Aktie an. Zu diesen düsteren Aussichten wurden auch Entlassungen in nicht genannter Höhe in Zusammenhang mit dem physischen Geschäft avisiert. Als Grund für die düsteren Aussichten nannte EA-Chef John Riccitiello geplante Investitionen in Millionenhöhe.

Auf das prognostizierte dicke Minus reagieren die nervösen Märkte an der Börse äußerst empfindlich und straften die pessimistischen Zahlen direkt mit einem ebenfalls dicken Minus beim Börsenkurs ab. Die Aktienverluste beliefen sich vorbörslich auf mehr als fünf Prozent, nach Handelsschluss am Vorabend sackte die Aktie zeitweise sogar um fast zehn Prozent ab.

Mit einem prognostizierten Verlust von bis zu 100 Millionen US-Dollar waren die Anleger wie vor den Kopf gestoßen, dabei sind Investoren in der Spielbranche rote Zahlen, wie jüngst bei Online Game-Riesen Zynga („Farmville“), gewohnt.

Das schwankende Geschäft mit den Spielen…

Die Online-Gaming-Branche boomt, doch das Geschäft der Spieleanbieter ist von Schwankungen und Ungewissheit geprägt. So sorgen besonders beliebte Spiele in einigen Quartalen für Umsatz- und Gewinnrekorde, in anderen Quartalen hingegen fressen die hohen Entwicklungskosten sämtliche erwirtschafteten Umsätze auf.

Und auch der Markt der traditionellen Computerspiele befindet sich im Wandel und setzt die gesamte Branche unter Druck.  Die Zeiten, in denen die meisten Computer- und Konsolenspiele im Laden verkauft wurden, sind vorbei. Der Anteil digitaler Spieler für Smartphones und Tablet-Computer, sowie Online- und Browsergames wächst stetig. Apps für das iPhone, Spiele auf Facebook oder Browsergames sind oft kostenlos oder sehr billig und damit wesentlich günstiger als Konsolenspiele. Da sie allerdings über einen stundenlangen Unterhaltungswert verfügen,  entscheiden sich Spieler gerne für die billige, bzw. kostenlose Alternative.

Electronic Arts hat bereits auf den Wandel der Branche reagiert und mit bekannten Spielen, wie „FIFA“ und „Die Sims“ sein Angebot zunehmend ins Internet und auf Mobiltelefone ausgedehnt. Und auch der nächste große Coup befindet sich bereits in den Starlöchern. Noch in diesem Quartal will EA ein großes Social-Game veröffentlichen, welches Gerüchten zufolge eine kostenlose Facebook-Version von Sim City sein soll.


Allerdings zeigen sich Investoren  in Anbetracht der Entwicklung auf dem Spielemarkt trotz neuer Ideen skeptisch. Denn für Spieleanbieter wird zunehmend schwerer, die hohen Entwicklungskosten wieder zu erwirtschaften. Auch Unternehmen, wie z.B. Zynga, die ausschließlich Spiele für den Bereich der Online- und Social-Games entwickeln, haben es schwer, zu überleben. Der Anbieter von populären Social Games, wie Farmville, Cityville und Mafia Wars musste im vergangenen Quartal einen herben Verlust in Höhe 85 Millionen US-Dollar hinnehmen. Grund hierfür waren die stark gestiegenen Entwicklungsausgaben. Zyngas Aktenkurs fiel seit dem Börsengang im Dezember 2011 um fast rund 20 Prozent. Zwar macht der Spezialist für Online-Spiele den etablierten Platzhirschen das Leben schwer, doch bedeutet das nicht automatisch auch gute Zahlen.

Und das, obwohl Zynga durchaus Geld in die Hand nimmt. Erst im März schluckte Zynga für 180 Millionen US-Dollar den Mobile-Spielentwickler OMGPop, der hinter dem Hit-Spiel „Draw Something“ steht. Nach nur zwei Monaten wurde das Mobile-Game Draw Something von Millionen Menschen auf dem iPhone gespielt.

Doch bei vielen Investoren stehen Zweifel im Raum, ob sich mit kostenlosen Online-Games überhaupt Gewinn erwirtschaften lässt. Schließlich sind die Kosten für die Entwicklung eines Spiels enorm, doch Geld lässt sich nur mit zahlungskräftigen Spielern erwirtschaften. Das Anmelden und Spielen an sich ist kostenlos, erst wenn Spieler bereits sind, reales Geld für den Kauf virtueller Zusatzinhalte zu investieren, verdient der Hersteller Geld.

Zudem ist Zynga nach wie vor stark vom sozialen Netzwerk Facebook abhängig, über das diverse erfolgreiche Spiele vertrieben werden. So steuerte Zynga zuletzt satte zwölf Prozent zum gesamten Facebook-Umsatz bei. Allerdings verblieben 30 Prozent des Umsatzes bei Facebook, was den Gewinn schmälert. Mit dem neuen Zynga-Portal versucht sich der Spielehersteller zwar von Facebook abzukapseln, doch auch auf der neuen Plattform können sich Spieler sich mit ihrem Facebook-Konto anmelden. Bei Einkäufen über das Zynga-Portal erhält Facebook dann ebenfalls wieder 30 Prozent der Umsätze.

80 Millionen US-Dollar für Next-Gen-Games

Auch Electronic Arts will investieren, um den Weg zu schwarzen Zahlen zu ebnen. Denn trotz des Gewinns im vergangenen Geschäftsjahr, zeigt der Blick auf die nackten Zahlen, einen negativen Trend. So betrug der  bereinigte Gewinn des Konzerns im vergangenen Quartal 56 Millionen Dollar – Rund ein Drittel weniger, als noch im Jahr zuvor. Und auch der Umsatz fiel um zwei Prozent auf 977 Millionen US-Dollar. Auch diese Zahlen belegen, dass es für Herstelle, wie Electronic Art immer schwerer wird, entstandene Kosten wieder hereinzuholen.

Um in Zukunft mehr Umsatz und Gewinn zu erwirtschaften, will EA investieren. Allerdings schloss EA-Chef Riccitiello Investitionen, wie bei Zynga, aus. Er wolle nicht viel Geld investieren, nur um eine Marke zu kaufen. Stattdessen sollen allein 80 Millionen Dollar in die Entwicklung von neuen Spielen für die kommenden Next-Gen-Konsolen fließen. Für welche Geräte man das Geld konkret ausgeben möchte, wurde allerdings nicht bekannt.

Bislang ist die Nintendo Wii U ist die erste und auch einzige angekündigte Next-Gen-Konsole, die Ende des Jahres erscheinen soll. Doch inzwischen mehreren sich die Gerüchte, wonach Sony auf der Spielemesse E3, die vom 5.-7. Juni 2012 stattfindet, die PS4 vorstellen wird. Die Xbox der nächsten Generation von Microsoft wird hingegen erst im Jahr 2013 erwartet.

Auch angesichts der wachsenden Konkurrenz zu Zynga, sieht sich Electronic Arts im Zugzwang. Im Vergleich zu EA, welches 1982 gegründet wurde und einst als größter eigenständiger Konzern für Videospiele galt, zählt Zynga zu den jungen Angreifern, hat den Pionier allerdings beim Börsenwert inzwischen überholt.

Und auch am Facebook-Spielemarkt ist EAs Anteil inzwischen wieder gefallen. Noch im vergangenen Jahr animierte Electronic Arts mit „The Sims Social“ Millionen Facebook-Nutzer zum Spielen. Nach Zyngas „Cityville“ und „Farmville“ waren „Die Sims“ das Spiel, welches die meisten Spieler anlockte und landeten im Dezember 2011 noch auf Platz 3 der Top 10 Facebook-Spiele.

Im April 2012 sieht es schon anders aus, EAs „Die Sims“ sucht man jedenfalls vergeblich in der Top 10. Stattdessen befindet sich in der Top 10 der Browsergames auf Facebook gleich sechs Zynga-Spiele, allen voran „Words with Friends“ mit 7,8 Millionenaktiven Nutzern:

Browsergames auf Facebook

Die zehn beliebtesten Spiele auf Facebook

Im Vormonat März befand sich noch „Draw Something“, entwickelt von OMGPop, mit 13,3 Millionen aktiven Nutzern auf Platz 1 der beliebtesten Facebook-Spiele, den Zynga im gleichen Monat für 180 Millionen schluckte.

Um den sinkenden Anteil am Facebook-Spielemarkt wieder zu steigern, plant EA noch in diesem Quartal ein neues Social Game auf den Markt zu bringen. Ob sich die Gerüchte eines US-Blogs bestätigen und das neue Game tatsächlich eine Facebook-Version des Spiels „SimCity“‘ ist, bleibt abzuwarten.

Eines steht jedoch fest: Die hohen Investitionen, um auf dem Gaming-Markt mithalten zu können, gepaart mit dem verspäteten Erscheinen eines neuen Spiels, sind für den enorm hohen prognostizierten Verlust im laufenden Geschäftsjahr verantwortlich. Bleibt abzuwarten, ob Electronic Arts auch diesmal wieder das Ruder wird herumreißen können. Schließlich hat das neue Geschäftsjahr gerade erst im April begonnen…

Quelle:  Electronic Arts Reports Q4 FY12 and FY12 Financial Results

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3 Kommentare »

  1. Sebastian 10. Mai 2012 at 14:26 - Reply

    Tja… EA und Konsorten sollten sich mal ein Scheibchen von „Mojang“ abschneiden, die mit „Minecraft“ ganz sicher nicht derartige Entwicklungskosten verursacht haben.

    Gerade auch weil sie mit Beta-Versionen unter die Spieler gegangen sind, konne auch die Zielgruppe in die Entwicklung mit einbezogen werden…

    Darüber hinaus geht es auch um die Nachhaltigkeit eines Spielekonzepts, die eben nicht auf aktuellen Grafik-Standards, sonder auf ewigen Spielprinzipien beruht:

    „Simple Game-Mechnik im Rahmen einer erzählerischen Komplexität, die der Spiele hauptsächlich in seinem Kopf ausbaut.“

    Das nennt man auch „Immersion“ und genau das wird mit den neuesten Titeln bei Hochglanzgrafik negiert… deswegen haben derzeit auch die Indie-Games so einen Zuspruch, die wieder das „spielerische“ und eben nicht das „technische“ in den Vordergrund rücken…

    Kein Mensch braucht Fifa 2009, 2010, 2011 und 2012 zu Hause…

    Gruß,
    Sebastian

  2. Alicia 10. Mai 2012 at 20:06 - Reply

    Hey Sascha,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Ich gebe dir Recht, dass viele Entwickler sich mit technischen Spielereien und unnötigem Schnickschnack die Chance verspielen, die mehr Zeit in die Optimierung der Basis eines jeden (Online)-Games zu stecken – Den Usern.

    Angesichts des Umbruchs in der Gaming-Branche werden so manche Spielehersteller zum Umdenken gezwungen. Wirtschaftlicher und „schlanker“ zu entwickeln wird wohl zunehmend stärker in den Fokus rücken. Was nützt das technisch und graphisch ausgefeilteste Spiel, wenn es die Spielern nicht langfristig fesselt? Und Geld verdienen die meisten Publisher nun mal erst nach rund 6 Monaten Spieldauer. Denn nur, wenn Spieler von dem Game wirklich überzeugt sind und auch langfristig spielen, sind sie auch tendenziell dazu bereit, Geld auszugeben.

    Die Anliegen und Wünsche der Community in die Entwicklung einzubeziehen finde ich einen wichtigen Punkt von dir. Das spart sicherlich so manchen Euro/Dollar. Zudem ist das allemal besser, als die horrenden Entwicklungskosten mit weniger Arbeitsplätzen auszugleichen.

    Viele Grüße,

    Alicia

  3. Gina 30. Mai 2012 at 14:20 - Reply

    Ich kann mich dem nur anschließen, was Sebastian schreibt. Ich habe sehr lange eine Computerspiel-Stunde für Kinder und Jugendliche mitbetreut. Dabei wurde Wert darauf gelegt, dass die Jugendlichen miteinander spielen und nicht allein vor dem Bildschirm versauern. Fazit: Dort war nicht das Spiel angesagt, was die ausgefeilteste Grafik auswies, sondern dasjenige, bei dem die Gruppe zusammen den meisten Spaß hatte. Nicht von ungefähr geht die Tendenz jetzt hin zum Social Game, bei dem die Leute miteinander spielen anstatt alein vor dem Monitor. Ein nettes Beispiel habe ich gerade in diesem Beitrag hier gefunden http://www.marketingfish.de/all/montagsmaler-20-draw-something-ist-der-neueste-social-game-hype-6011/
    Es geht darum, etwas zu malen und die virtuellen Mitspieler raten zu lassen. Im Grunde sind es die guten alten Montagsmaler in der Version 2.0.

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