Springer verkauft Gamigo!

Alicia 29. Februar 2012 2

Seit Januar 2009 gehört die Gamigo AG – Online Spieleportal für „Massively Multiplayer Online Games“ (MMOGs) – zu 100 Prozent der Axel Springer AG. Das Medienhaus ist über seinen Ableger AS Venture bereits seit dem Jahre 2000 an der gamigo AG beteiligt, übernahm mit der Zeit immer mehr Anteile und hielt im September 2008 dann sogar die Mehrheit an der Spielefirma.

Auch in den vergangenen Monaten war das Interesse Springers an erfolgsversprechenden Online-Projekten groß. So sicherte sich das Medienhaus im vergangenen Jahr u.a. die Mehrheit der Anteile an der lokalen Prospektplattform kaufDA, der  Shopping-Plattform  Ladenzeile.de, sowie des Schnäppchenportals MeinGutscheincode.de.

Nach diesem „Kaufwahn“ versucht es Springer gemäß Bericht von Deutsche-Startups.de nun auf der anderen Seite, nämlich als Verkäufer. Auf dem Verkaufstresen befindet sich überraschenderweise das von Rainer Markussen geführte Unternehmen gamigo, welches doch ein so erfolgsversprechendes Projekt für die Springer AG zu sein schien.

Was ist passiert?

Erfolgsversprechend, aber dann nicht profitabel genug?

Zur Übernahme vor über drei Jahren deutete noch alles darauf hin, als stünde gamigo eine rosige Zukunft unter dem breiten Schirm des großen Medienhauses in Aussicht. Jens Müffelmann von Springer äußerte sich damals mit den Worten:

 „Gamigo agiert in einem stark wachsenden Marktsegment, wird seinen Umsatz dieses Jahr vervierfachen und ist profitabel. Damit ist Online-Gaming auf dem Weg, ein wichtiger Baustein im Rahmen der Digitalisierungsoffensive von Axel Springer zu werden.”

Erfolgsindikatoren also, nach denen  einer langen und glücklichen Zukunft gamigos bei Springer doch eigentlich nichts immer Wege stehen dürfte. Und tatsächlich gab es in den vergangenen Jahren keinerlei Anzeichen dafür, dass Springer mit der Entwicklung von gamigo unzufrieden gewesen wäre. Im Gegenteil, nach außen wurde stets auf beeindruckende Wachstumszahlen hingewiesen, so auch Anfang 2010:

“2009 war ein überaus erfolgreiches Jahr für die Hamburger gamigo AG. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate hat sich die Mitarbeiterzahl mehr als verdreifacht. Der Umsatz stieg im selben Zeitraum um beeindruckende 233 Prozent.”

Ein überaus erfolgreiches Unternehmen, welches innerhalb eines Jahres die Zahl der Mitarbeiter verdreifacht und seinen Umsatz mehr als verdoppelt ist normalerweise ein gutes Pferd im Stall. Als dieses betrachtete sich auch gamigo, denn Vorstand Markussen sah das Unternehmen zum 10. Geburtstag im Mai 2011 noch wachstumsstark und wettbewerbsfähig:

“Durch eine weitsichtige Produktstrategie konnte der Umsatz in den letzten Jahren stets im zweistelligen Prozentbereich gesteigert werden. Auch für die Zukunft sehen wir ähnliche Wachstumsmöglichkeiten. Durch die weitere Internationalisierung, die Fokussierung auf bekannte Marken und weitere Steigerung der Produktqualität sehen wir uns gut für den Wettbewerb gerüstet.”

Erfolgsversprechende Verheißungen für die Zukunft, die an sich keinerlei Boden für Springer bieten, die Spieleplattform gamigo abzuschieben. Doch innerhalb fast einen Jahres scheint die Stimmung an Bord gekippt zu sein. So soll gamigo nicht mehr zum Kerngeschäft von Springer zählen. Ein Grund hierfür könnte das Spieleportfolio von gamigo sein. Zwar sieht sich die Spieleplattform selbst als einen “ führenden Anbieter von kostenlosen Onlinespielen, die als eigenständiger Client oder im Browser gespielt werden können”, allerdings sind unter den 20 Spielen kaum echte Kassenschlager zu benennen, die alle Zocker kennen und lieben.

Doch nicht nur der hart umkämpfte Markt der Online-Games und die wachsende Qualität der Spiele könnte für Springer langsam zum Risikofaktor werden, denn der Erfolg von gamigo ist auch stark an die Lizenzrechte der einzelnen Spiele geknüpft. Nahezu alle Games im Portfolio gamigos werden im Auftrag der Spieleentwickler vertrieben. Gamigo tritt dabei nur als Publisher auf und verdient während der Laufzeit des Lizenzvertrages am Erfolg des Spiels mit.

Was aber, wenn ein Online-Game, ob in Deutschland oder anderen Teilen der Welt, zum absoluten Erfolgshit wird, der Lizenzgeber aber den Vertrag nicht verlängert? Die Tatsache, dass gamigo auch erfolgreiche und profitable Spiele wieder verlieren kann, stellt ein unternehmerisches Risiko dar. Dabei ist es gar nicht so abwegig, dass sich der  Lizenzgeber nach Ende der Laufzeit nach einem anderen, für ihn lohnenswerterem Publisher umschaut oder sich aufgrund des Bekanntheitsgrades entscheidet, das Spiel ab sofort selbst zu betreiben. So erst geschehen, als gamigo Ende 2011 das bekannte Golfspiel ShotOnline verlor.

Es wird schon seinen Grund gehabt haben, warum sich das Unternehmen seit Anfang November vergangenen Jahres mit  20,1 Prozent am koreanischen Spieleentwickler OnsOn Soft beteiligt. Eine Beteiligung steuert dem Risiko, das Spiel, nachdem man es zum Erfolg geführt hat, wieder zu verlieren, entgegen. Da das Fantasy-Spiel Fiesta Online “zu den umsatzstärksten Produkten im gamigo-Portfolio zählt” und von OnsOn Soft entwickelt wurde, war es aller Voraussicht nach ein guter Schritt, sich an der Entwicklerfirma mit Sitz in Seoul zu beteiligen. Denn mit der Beteiligung ist nicht nur der Erfolgsgarant Fiesta Online gesichert, sondern gleichzeitig auch die “europäischen und nordamerikanischen Publishing-Rechte” an einem weiteren Games der Spieleschmiede.

Diese Strategie könnte sich auf lange Sicht für gamigo auszahlen und die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Doch obwohl der eingeschlagene Kurs sinnvoll und lohnenswert erscheint, will Springer das Schiff nicht alleine in den Hafen schippern. Zwar steht eine offizielle Stellungnahme Springers zum Thema Gamigo Verkauf noch aus, doch erste Interessenten, die sich für die Weiterführung der gamigo AG begeistern, sollen bereits vor der Tür stehen.

Quelle: deutsche-startups.de

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2 Kommentare »

  1. Realist 1. März 2012 at 09:17 - Reply

    Zunächst einmal, ist es enttäuschend zu sehen, dass man sich als Autor für etwas ausgibt, was man selbst nicht verfasst hat, sondern per copy+paste übernahm vom Herrn Alexander Hüsinger – deutsche-startups.de
    Soviel Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit sollte schon noch vorhanden sein – auch im Web. Ansonsten hoffe ich, Sie haben nicht vor einen Doktor zu machen – die guttenbergschen Voraussetzungen hätten Sie ja…

    Nun zur Sache:
    Ohne entsprechende offizielle Quellen(angabe) schenke ich dieser Meldung keinerlei Glauben. Nirgendwo, außer auf der Website von deutsche-startups.de, wird über diesen Verkauf eigenständig berichtet, kein gamigo-Mitarbeiter konnte das bestätigen. Demnach halte ich es für ein Gerücht, welches sich lediglich einreiht in die Angriffe auf die Seiten gamigos sowie die Öffentlichmachung ganzer Forenaccountdaten. Das ist schlicht unseriös, wenn man hier keine Quellen nachreicht und wer so etwas Glauben schenkt, sollte die BILD weglegen!

    So far ~

    • Lars 1. März 2012 at 09:58 - Reply

      Ach ja, der Herr Realist…

      Zu deinem ersten Einwand, der Nennung der Quelle: Die ursprüngliche Nachricht von Herrn Hüsing ist im dritten Absatz verlinkt, weiter wird sich im Artikel auf Aussagen der Quelle bezogen. Auch ein Herr Realist sollte mittlerweile verstanden haben, dass es im Kern darum geht sich mit Meldungen auseinanderzusetzen und diese anderweitig zu betrachten. Das es bei der Behandlung des Themas zu Überschneidungen kommt, liegt in der Natur der Sache und hat nicht im geringsten etwas mit Copy&Paste zu tun.

      Nun zu dem Wahrheitsgehalt der Meldung: Wie Alexander Hüsing schon auf deinen Kommentar bei deutsche-startups.de geantwortet hat, wurde offensichtlich eine externe Agentur mit dem Verkauf beauftragt. Es ist nicht unüblich das unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu vollziehen. Ob und inwiefern gamigo wirklich zum Verkauf steht, wird die Zukunft zeigen.

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